Die Frage, ob ich den Charakterbogen lieber auf Papier oder in digitaler Form verwalte, wechselte in den letzten Jahren häufiger bei mir. Es sieht ein wenig wie eine Sinuskurve aus: An der Spitze bin ich total im Hype, alles perfekt mit den besten Tools digital zu organisieren. Spätestens aber, wenn der Akku des iPads schwach wird oder die Displaygröße doch nicht zum angezeigten Dokument passt, kommen die Zweifel auf. Sollten wir »Pen-and-Paper« vielleicht wieder ernster nehmen?
Am Tiefpunkt der Sinuskurve steht dann das exakte Gegenteil: Die gesamte Technik wird aus meinen Spielrunden verbannt, um das volle, klassische Pen-and-Paper-Erlebnis ohne Ablenkung genießen zu können. Eigentlich naheliegend. Bis meine furchtbare Handschrift in Kombination mit dem obligatorischen Platzmangel jegliche ästhätischen Ansprüche an meine Unterlagen vernichtet. Der Wunsch nach Ordnung kommt schnell wieder auf. Auf die Spitze treiben tut dies nur noch der Umstand, dass seit der Pandemie auch Hybridrunden fester Bestandteil des Alltags geblieben sind.
Ich spiele sowohl online als auch offline Spielrunden. In manchen Fällen wird sogar nahtlos – je nach Krankenstand und Reiselaune – gewechselt. Am Tisch bevorzuge ich den gedruckten Charakterbogen, bei Onlinerunden greife ich trotzdem auf die digitale Version zurück.
Daher ist mein perfekter Kompromiss: Ich erstelle den initialen Charakterbogen auf Basis des ausfüllbaren, selbst berechnenden PDFs. Die Werte entnehme ich beim Erstellen aus den Büchern. Den Charakterbogen drucke ich pro Stufe aus und mache mir Notizen, wie etwa meine Zustände oder mein Inventar, separat in meinem Notizbuch. Ich verwende den Charakterbogen nach dem »Prototyp-Pattern«, bei dem rundenspezifische Informationen separat protokolliert werden. Beschreibungen, Merkmale, Zauber, etc. werden am Computer digital eingegeben.
Bei einem Stufenaufstieg kopiere ich das PDF-Dokument und passe die Werte für die neue Stufe an.
Somit habe ich:
- Immer einen ordentlichen, digital geschriebenen Charakterbogen mit allen Werten, Merkmalen und Beschreibungen.
- Eine digital verfügbare Variante meines Charakterbogens (für die Hybrid-Sessions).
- Eine nachvollziehbare Charakterentwicklung (da ich die einzelnen Stufen als PDF-Dateien behalte).
- Kompakte Notizen zu der Spielrunde separat in meinem Notizbuch.
- Ein digitales Fallback, sollte ich doch einmal meine Unterlagen vergessen (z. B. bei einer Büro-Session).
Ich hoffe, euch ein bisschen Inspiration für das Handling eurer Unterlagen gegeben zu haben. Noch ein kleiner Hinweis aus DM-Sicht: Nichts ist demotivierender als Spieler:innen, die schlecht vorbereitet in die Session kommen. Man muss der Spielleitung kein frisch gebackenes Brot mitbringen, aber seine eigenen Unterlagen sollte man (halbwegs) ordentlich im Griff haben.
